Kapitän DGZRS Seenotkreuzer

DGzRS - Aus Grömitz gegen den Strom

Mittlerweile strahlt die Grömitzer Sonne auch am Himmel. Heute liegen keine Termine mehr vor uns – jetzt können wir einfach nur die „Seele baumeln lassen“ und die frische Meeresluft in uns aufsaugen, bevor es abends wieder in die hektische Großstadt geht. 

Unser Plan steht: Erst die Schiffe im Yachthafen bewundern, dann ab an die Seebrücke für einen heißen Kakao. Einmal die Brücke entlang Bummeln gehört für uns einfach zu einem Grömitz-Besuch dazu. Aber hier am Yachthafen lässt es sich mindestens genauso gut aushalten: Die Steilküste erhebt sich stolz in der Ferne, die kleinen Läden sorgen für eine gemütliche Auszeit und an den Schiffen kann man sich gar nicht satt sehen. Jedes von ihnen hat einen ganz eigenen Charakter – wir könnten stundenlang darüber spekulieren, welche Geschichte hinter jedem einzelnen Prachtstück steckt und was es zusammen mit seinem Besitzer schon alles gesehen hat. Doch ein Schiff sticht definitiv heraus: die FELIX SAND.

 

Aus Grömitz gegen den Strom

55 Stationen, 1.000 Seenotretter & ganz viel Engagement

Ganz am Ende des Stegs wartet der prachtvolle Seenotrettungskreuzer auf seinen nächsten Einsatz. Und das sind nicht wenige: Rund 2.000 Mal pro Jahr rücken die Seenotretter zwischen der Emsmündung im Westen und der Pommerschen Bucht im Osten aus. Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) ist zuständig für den Such- und Rettungsdienst im Seenotfall in den deutschen Gebieten der Nord- und Ostsee. An Insgesamt 55 Stationen zwischen Borkum im Westen und Usedom im Osten sind 1.000 Seenotretter stationiert – und mehr als 800 von ihnen sind Freiwillige. Dass sich die DGzRS ausschließlich durch freiwillige Zuwendungen und ganz ohne Steuergelder finanziert, war uns vor dem Besuch bei ihnen im letzten Sommer überhaupt nicht bewusst. Unser erster Gedanke: So geht es bestimmt nicht nur uns. Und genau deswegen ist es uns ein besonderes Anliegen, dieses engagierte Team in unsere Helden-Serie mit aufzunehmen. Die Seenotretter in Grömitz sind – wie auf allen Stationen der DGzRS – täglich rund um die Uhr einsatzbereit, um Menschenleben zu retten – und dazu noch extrem sympathisch und bescheiden. Die Einladung auf die FELIX SAND gehört auf jeden Fall zu unseren Highlights dieses Jahr.

 

Technik der HANS HACKMACK

"Seenotretter? Das ist wie ein Sechser im Lotto!"

Kaum hatten wir damals einen Fuß auf den beeindruckenden Kreuzer gesetzt, wurden wir auch schon von der ansteckenden Dynamik des Teams erfasst. So viel Leidenschaft haben wir wirklich selten für einen Beruf erlebt. Würden wir uns in diesem Metier auskennen, wir hätten sofort angeheuert. 

Gemeinsam erkundeten wir jede Schiffsecke – vom Maschinenraum bis hin zum oberen, offenen Fahrstand. Der damalige Vormann Guido Förster gab uns währenddessen einen lebhaften Einblick in den Alltag des Teams: „Zur Stammbesatzung des Seenotrettungskreuzers in Grömitz gehören neun Rettungsmänner, von denen jeweils vier auf Wache sind. Sie leben und arbeiten rund um die Uhr an Bord. Alle Seenotrettungskreuzer der DGzRS sind jederzeit sofort einsatzbereit.“ Eine Schicht dauert in der Regel zwei Wochen, ein genauso langer Freitörn schließt sich an. „Da muss das Team sich schon richtig gut verstehen“, fügt Markus Davids hinzu. Seit Mitte Oktober hat Davids nun die Position des Vormanns inne und hat damit nach eigener Aussage endlich seinen Traumberuf gefunden: „Es gibt nichts Schöneres als Seenotretter zu sein, es ist wie ein Sechser im Lotto.“ Und ehrlich gesagt trauen wir diesem hochmotivierten Team auch zu, monatelang auf engstem Raum zusammenzuarbeiten.

 

Seenotretter? Sechser im Lotto!

Sicherheit für die Ostsee

Als die Jungs zum Schluss unseres Besuchs das Tochterboot des Kreuzers hinuntersausen ließen, hätten wir am liebsten einmal Rollen getauscht. Das muss sich bestimmt anfühlen wie Achterbahn fahren. Doch was wir an diesem wunderschönen Sommertag zum Glück nur als Spaß empfunden haben, rettete allein in diesem Jahr rund 360 Menschen in Seenot das Leben. 

Die Seenotretter aus Grömitz sind zu Recht vollkommen stolz auf ihren Job. Ohne sie wäre unsere schöne Ostsee längst nicht so sicher. Wenn sich alle anderen in Sicherheit bringen und den Hafen ansteuern, fahren sie oft genug gegen Wind und Strom hinaus, um andere zu retten. Grömitz ist seit mehr als 100 Jahren ein wichtiger Punkt in der langen Reihe der DGzRS-Stationen an Nord- und Ostsee.

Heute an diesem schönen Novembertag scheint zum Glück niemand in Seenot geraten sein – die FELIX SAND liegt vollkommen ruhig an Steg 6. Da heute mal nicht die Welt gerettet werden muss, ist es wohl endlich Zeit für unseren heißen Kakao an der Seebrücke. Aufwärmen und die Aussicht genießen. Los geht’s! 

 

Sicherheit auf der Ostsee

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