Landkunststück Knolle bei Steensen

Wo Steine und Bilder Geschichten erzählen

Der Verein LANDKUNSTSTÜCK e.V. setzt mit Skulpturen und Videoinstallationen künstlerische Akzente auf den Bauernhöfen im OstseeFerienLand

Eine spacig anmutende Samenkapsel, Ackerfurchen in einem Findling und wortgewaltige Bilder im Inneren eines Silos – mit so unterschiedlichen Werken bereichert LANDKUNSTSTÜCK e.V. die Region um Grömitz um einige künstlerische Attraktionen.

Die Kulturlandschaft Ostholsteins wird seit vielen Jahrhunderten durch die Landwirtschaft geprägt. Und sie verändert sich – durch den globalen Wettbewerbsdruck, den Anstieg der Weltbevölkerung und immer neue Technologien. Wie also werden wir uns in Zukunft ernähren? Vor welchen Herausforderungen stehen die Menschen, die unsere Ernährung sicherstellen? Welche Chancen haben landwirtschaftliche Familienbetriebe, sich in einem globalisierten Markt zu behaupten? Was wollen Verbraucher und was können Bauern leisten? Antworten darauf findet man leichter im direkten Dialog zwischen Verbrauchern und Landwirten. Genau dazu möchte LANDKUNSTSTÜCK e.V. durch sein Projekt im OstseeFerienLand einladen.

So entstehen die LandKunstStücke im Auftrag des gleichnamigen Vereins im ebenfalls engen Austausch zwischen Künstlern und Landwirten – eine einzigartige Form der Zusammenarbeit im Bereich der Kunst, die weiter gedeihen soll. Im Achterland haben sich bereits verschiedene Landwirte gefunden, die für das aus touristischer wie landwirtschaftlicher Sicht interessante Projekt Flächen zur Verfügung stellen. So wie die Gemeinde Grube mit Eröffnung im Mai 2019. Dann werden die LandKunstStücke über eine Fahrradroute durch das OstseeFerienLand miteinander verbunden.

"Knolle" (2017)


Skulptur aus Robinien- und Eichenholz, Industriegummi und Farbe der Künstler Ulf Reisener und Ingo Warnke vom Bildhaueratelier Heiliger Schein (Nettelsee) für Steensens Bauernhof in Cismarfelde. Dazu die Künstler: „Die Art der Lebensmittelerzeugung unterliegt seit Jahrhunderten einem Wandel, der zunehmend rasanter verläuft. Diese befremdliche Knolle, ungewöhnlich und geradezu spacig, weist auf eine ungewisse Zukunft in der Landwirtschaft hin.“

Standort: Steensens Bauernhof, Cismarfelde 16, 23743 Grömitz-Cismarfelde auf dem Hof

Knolle in Cismarfelde
Stein wie eine Landschaft

"Stein wie eine Landschaft" (2018)


Ein aus Skandinavien mit der Eiszeit bis Schleswig-Holstein gewandert Granitfindling, bearbeitet von Ulrich Lindow (Schobüll) für den Hof Dammer (Kattenberg bei Cismar). Der nahezu meditativ anmutende Stein spiegelt mit seiner welligen Gestalt und den geschwungenen Furchen die landwirtschaftliche Arbeit in der hügeligen Endmoränenlandschaft rund um den Kattenberg wider.

Standort: Dammer, Kattenberg 8, 23743 Grömitz-Cismar in Hofnähe am Kattenberger Weg

"Splitter", Silo,


Ein Video des Filmemachers und Fotografen Jobst von Berg (Böel) für den Hof Körnick (bei Grömitz). Mit diesem Video werden Klischees überprüft, in Frage gestellt und neu besehen. Von Bergs Kamera folgt der landwirtschaftlichen Arbeit durch das Jahr – sie zeichnet die Strukturen und Spuren der Arbeit, der Lebens- und Wachstums-prozesse nach. Kommentierend oder auch dialoghaft wechseln sich Bilder und Texteinschübe ab. Durch eine subtile Bedeutungsverschiebung zwischen Wort und Bild eröffnet die Videoarbeit die Möglichkeit eines Blickwechsels auf bis dahin nur scheinbar Wohlbekanntes innerhalb dieser uralten und doch so ultramodernen Wirtschaftsform: der Landwirtschaft.

Standort: Meier, Körnick 1, 23743 Grömitz auf dem Hof

Splitter Körnick
Landkunststück Stammgäste in Grube

"Stammgäste"

Zwischen Oldenburg in Holstein und der Gemeinde Grube lag früher der drittgrößte Flachsee Schleswig-Holsteins. Durch den Sandeintrag der nahen Ostsee verlandete er immer mehr und wurde nach und nach trockengelegt, um Flächen für die Landwirtschaft zu gewinnen.

Der Flensburger Bildhauer Johannes Caspersen erinnert mit seinen „Stammgästen“ am Paasch-Eyler-Platz an die Geschichte des Sees. Das Relikt der letzten Eiszeit war reich an Fischen und ernährte etliche Familien. Dafür steht der „Fischer“ auf dem Feld beim Siel – zuzeiten des Gruber Sees war dort sein Arbeitsgebiet. Der „Reisende“ schaut von der Aussichtsplattform auf dem Gelände der Alten Gruber Bürgergilde in die Landschaft – und auch auf den „Fischer“. Die Figuren werden so zum Sinnbild für die ursprünglich natürliche Umgebung und die späteren Eingriffe durch den Menschen. Als direktes Gegenüber thematisiert das Skulpturenpaar aus bemalten Eichenstammholz das Für und Wider von Veränderung.

Standort: Paasch-Eyler-Platz beim Schöpfwerk und auf der Aussichtsplattform

„Baum – Mensch – Baum“

Zwischen Dahme und Kellenhusen, am Dahmer Weg / Vogelsang, steht eine Eiseninstallation mit Winterlinde. Sie lässt sich als Sinnbild für den heutigen Umgang des Menschen mit der Natur verstehen: „Überall wird die Natur auf verschiedene Weise begrenzt“, so die Künstlerin Margit Huch. „Es ist erwünscht, dass der Baum sein Gefängnis überwindet und es so bedeutungslos macht.“

Andererseits kann man „Baum – Mensch – Baum“ auch als Symbol für die Koexistenz von Mensch und Natur sehen: Je weiter der Abstand zwischen den Gitterstäben, desto mehr Raum für das Hindurchwachsen, für die natürliche Entwicklung des Baumes. Auf diese Koexistenz zielt die ökologische Landwirtschaft auf Hof Bokhorst, dem diese Skulptur gewidmet ist.

Standort: Axt / Bokhorst, 23746 Kellenhusen Ecke Dahmer Weg / Vogelsang nördlich in Hofnähe

Landkunststück „Baum – Mensch – Baum“ zwischen Dahme und Kellenhusen
Landkunststück „von bienen und blüten“

„von bienen und blüten“

Bienen und andere Insekten sorgen für die Bestäubung von Pflanzen, die einen Großteil unserer Nahrung sicherstellen. Doch die wichtigen Nutztiere sind stark bedroht. Die Lyrikerin Doris Runge aus Cismar setzt mit ihrem exklusiv für LANDKUNSTSTÜCK entstandenen Gedicht „von bienen und blüten“ ein Zeichen und macht auf das fragile Gleichgewicht zwischen Natur und deren Nutzung aufmerksam.

Der bildende Künstler Hans-Joachim Mocka aus Kollund (Dänemark) hat für diese Zeilen auf dem Apfelhof Grimm in Cismar eine Gartenbühne geschaffen, die mit bewegten Formen bewegen möchte.

Standort: Grimm, Wintersberger Weg 3, 23743 Grömitz-Cismar auf dem Hof

„Bodenpunkte“

Die ackerbauliche Qualität einer Fläche wird in sogenannten „Bodenpunkten“ gemessen (Wertzahl: 1 = sehr schlecht, 100 = sehr gut). Die Salzwiesen des Reiterhofs Hopp am Langenredder in Grömitz-Lenste weisen einen durchschnittlichen Wert von 30 Bodenpunkten aus.

Die Künstlerin Sigrid Stegemann aus Oldersbek (Nordfriesland) hat mit ihrer Findlingsgruppe genau das thematisiert: Die 30 blattvergoldeten Steine auf den größeren, insgesamt 100 farbig bemalten Findlingen symbolisieren diese Wertzahl.

Standort: Hopp, Langenredder 48, 23743 Grömitz-Lenste Langenredder in Hofnähe

Landkunststück "Bodenkpunkte"
„Generationen-Allee“

„Generationen-Allee“

Alleen waren früher oft die direkte Verbindung zwischen Bauern und Kunden. Heute begegnen sich beide kaum mehr. Die vier rostigen Stahlbäume in Riepsdorf weisen einen neuen Weg zum Hof an der Hauptstraße 31 – und laden ein zum Dialog mit Bauer Carsten Siems.

Geschaffen hat die „Generationen-Allee“ der Lübecker Bildhauer Winni Schaak Die leichte Neigung der Skulpturen symbolisiert die Last, die jede Bauerngeneration zu tragen hat – die Widrigkeiten der Natur, die Ansprüche von Gesellschaft und Industrie. Die unterschiedlichen Größen stehen für die Generationen, die ihr Bestes geben …

Standort: Siems, Hauptstr. 31, 23738 Riepsdorf Straßenseite vor dem Hof

Die Initiatoren des Projekts

 

Ekkehard Briese Journalist in Hamburg. Er ist Vorsitzender von LANDKUNSTSTÜCK e.V. und kümmert sich u.a. um die

Akquise von Förderern. Kontakt: info@landkunststück.de

Ekkehard Briese

Claudia Reshöft Freie Journalistin und Autorin in Ostholstein. Zuständig für landwirtschaftliche Belange sowie für die Öffentlichkeitsarbeit. Kontakt: info@landkunststück.de

Informationen zu Verein und Projekt: www.landkunststück.de

Claudia Reshöft